KI-Logbuch
Inspiration, Entdeckungen, Anwendungen
KI im Quadratmeter: Wie künstliche Intelligenz den deutschen Immobilienmarkt neu erfindet
Created on 2025-04-17 20:32
Published on 2025-04-23 04:00
Liebe Neugierige, Kreative, Entdecker*innen,
der deutsche Immobilienmarkt – unendliche Weiten. Das Thema bewegt viele von uns. Als Mieter*innen oder Anbieter*innen von Wohnraum. Steigende Preise, Zinsentwicklungen, die Suche nach dem passenden Objekt oder die optimale Verwaltung von Beständen sind konstante Herausforderungen. Da ich im familiären Umfeld Menschen kenne, die sich täglich mit den Problemen und Perspektiven von Mieter*innen und Vermieter*innen befassen, wollte ich mir einmal genauer anschauen, wie KI in diesem Bereich schon heute präsent ist (oder auch nicht?). Eines steht jedoch fest: schon jetzt zeigt sich künstliche Intelligenz auch im Bereich der Immobilien immer stärker und beginnt, die dort schon ewig vorhandenen Spielregeln grundlegend und massiv zu verändern. Ähnlich wie in vielen anderen Sektoren, verspricht KI auch hier mehr Effizienz, Transparenz und neue Möglichkeiten. Für den Architekten Le Corbusier war klar:
„Ein Haus ist eine Maschine zum Wohnen.“
Wie aber verändert sich diese „Maschine“, wenn KI zu ihrem Architekten, Verwalter oder Makler wird? Das würde ich gerne mal mit Euch heute erkunden.
KI als Architekt der Zukunft: Wie der Immobilienmarkt transformiert wird
Die Auswirkungen von KI auf den Immobilienmarkt sind schon heute vielfältiger, als es auf den ersten Blick scheinen mag. Ein zentraler Bereich ist die Bewertung von Immobilien. Traditionell ein komplexer Prozess, der viel Erfahrung und lokale Marktkenntnis erfordert, wird er nun durch KI-gestützte Systeme, sogenannte Automated Valuation Models (AVMs), ergänzt und teilweise automatisiert. Diese Modelle analysieren riesige Datenmengen – von historischen Verkaufspreisen über Lageeigenschaften, Bauzustand bis hin zu sozioökonomischen Faktoren – um präzisere und schnellere Bewertungen zu liefern. Unternehmen wie PriceHubble oder Sprengnetter nutzen solche Technologien bereits intensiv, um Marktwerte zu ermitteln und Prognosen zu erstellen. Das hilft nicht nur Eigentümer*innen und Käufer*innen, sondern auch Banken bei der Kreditvergabe, Risiken besser einzuschätzen.
Darüber hinaus verändert KI die Marktanalyse und Trendvorhersage. Algorithmen können Muster in Marktdaten erkennen, die für Menschen unsichtbar bleiben. Sie identifizieren aufstrebende Stadtteile, prognostizieren Miet- und Kaufpreisentwicklungen und helfen Investoren, fundiertere Entscheidungen zu treffen. Besonders spannend wird es bei der Analyse von ESG-Kriterien (Environmental, Social, Governance). KI kann dabei helfen, die Nachhaltigkeit von Gebäuden zu bewerten, den Energieverbrauch zu optimieren und die Einhaltung von Umweltauflagen zu überwachen – Faktoren, die für Investoren und Mieter zunehmend an Bedeutung gewinnen. Laut dem Paper „Emerging Trends In Real Estate“ (ab Seite 19) von PWC haben dieses Jahr mehr als die Hälfte der in der Immobilienindustrie arbeitenden Anbieter KI für Anwendungen wie Entscheidungen zu Investitionen, Transaktionen oder Asset Management verwendet.
Auch die Immobiliensuche und -vermittlung erfährt durch KI einen Wandel. Große Portale wie Immobilienscout24 oder Immowelt setzen längst KI ein, um Nutzer*innen personalisierte Empfehlungen zu geben, die weit über einfache Filterfunktionen hinausgehen. KI-Systeme lernen aus dem Suchverhalten und den Präferenzen, um passgenaue Angebote vorzuschlagen. Gleichzeitig übernehmen KI-Chatbots immer häufiger die Erstkommunikation, beantworten Standardfragen rund um die Uhr und qualifizieren potenzielle Interessenten vor. Laut der Studie „KI – ein „Game Changer“ in der Immobilienwirtschaft?“ von EY setzen bereits 78% der befragten Immobilienunternehmen einen internen Chatbot ein. Und mit dem Aufkommen generativer KI werden auch die Exposés selbst smarter: KI kann ansprechende Beschreibungstexte verfassen, virtuelle Rundgänge oder Staging-Optionen erstellen und sogar Marketingmaterialien personalisieren, was den gesamten Vermarktungsprozess effizienter gestaltet.
Mehr als nur vier Wände: KI in Verwaltung und Nachhaltigkeit
Die Transformation durch KI beschränkt sich nicht nur auf Kauf und Verkauf. Besonders im Bereich der Immobilienverwaltung (Property Management) entfaltet KI ihr Potenzial zur Effizienzsteigerung. Stell Dir vor, Dein Haus meldet selbstständig, wann die Heizung gewartet werden muss. Genau das ermöglicht Predictive Maintenance auf Basis von KI. Sensordaten aus Gebäuden werden analysiert, um Wartungsbedarf vorherzusagen, bevor es zu teuren Ausfällen kommt. Das spart Kosten und erhöht die Zufriedenheit der Mieter*innen. Gleichzeitig können KI-Chatbots die Kommunikation mit Mietern übernehmen, Anfragen bearbeiten und einfache Probleme lösen. Auch administrative Aufgaben wie die Mietvertragsverwaltung oder die Nebenkostenabrechnung lassen sich durch KI-gestützte Software automatisieren, was Verwalterinnen entlastet und ihnen mehr Zeit für komplexere Aufgaben gibt. LegalTech-Anwendungen helfen zudem bei der standardisierten Erstellung und Prüfung von Verträgen.
Ein weiterer, enorm wichtiger Bereich ist die Nachhaltigkeit und der Bauprozess. Angesichts der Klimaziele und steigender Energiekosten wird die Energieeffizienz von Gebäuden immer wichtiger. KI spielt hier eine Schlüsselrolle: Sie kann den Energieverbrauch in Echtzeit analysieren und optimieren, Heizungs-, Lüftungs- und Klimaanlagen intelligent steuern (Stichwort „Smart Building“) und Vorschläge für energetische Sanierungen machen. Bei Neubauten kann KI bereits in der Planungsphase helfen, nachhaltige Materialien auszuwählen, den Ressourcenverbrauch zu optimieren und Bauabläufe effizienter zu gestalten. Die Integration von KI in Building Information Modeling (BIM) ermöglicht präzisere Planungen und reduziert Fehlerquoten auf der Baustelle, was nicht nur Kosten spart, sondern auch zur Ressourcenschonung beiträgt. Für Architektur wird KI ebenfalls relevanter.
Schon gewusst?
Unternehmen wie Ximilar oder Hellodata ermöglichen es Immobilien allein anhand von Fotos nicht nur zu bewerten, sondern auch gezielt nach individuellen Stilvorlieben der Nutzer zu filtern. Das bedeutet: Nutzer können beispielsweise einfach ein Bild ihrer Traumimmobilie hochladen, und KI sucht dann automatisch ähnliche Objekte auf dem Markt heraus – unabhängig davon, ob diese bisher klassisch verschlagwortet oder beschrieben wurden. So wird die Immobiliensuche plötzlich so intuitiv wie das Shoppen von Mode nach Bildern.
Tips und Tricks: KI im Immobilienalltag nutzen
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Smarte Immobiliensuche: Nutze die personalisierten Empfehlungen von KI-gestützten Portalen und sei offen für Vorschläge, die leicht von Deinen ursprünglichen Kriterien abweichen – die KI kennt vielleicht attraktive Alternativen.
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Online-Bewertungstools kritisch nutzen: AVMs können eine erste Einschätzung geben, ersetzen aber (noch) keine detaillierte Bewertung durch Expert*innen, besonders bei individuellen oder komplexen Objekten.
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Energieeffizienz prüfen: Als Eigentümer*in oder Mieter*in kannst Du KI-basierte Tools (oft in Smart-Home-Systemen integriert) nutzen, um Deinen Energieverbrauch zu analysieren und Optimierungspotenziale zu finden.
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Vorsicht bei Exposés: Sei Dir bewusst, dass Texte und Bilder (virtuelles Staging) zunehmend KI-generiert sein können. Prüfe kritisch und frage bei Unklarheiten nach.
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PropTech-Trends verfolgen: Bleibe neugierig, welche neuen KI-Anwendungen für Mieter, Käufer oder Verwalter auf den Markt kommen – die Entwicklung ist rasant und es lohnt sich, hier auf dem aktuellen Stand zu bleiben (sofern Du in naher Zukunft einen Erwerb, Verkauf, Miete oder eine Vermietung planst).
Top Links:
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Tool/App: PriceHubble – Ein Beispiel für ein Unternehmen, das KI-gestützte Immobilienbewertungen und Marktanalysen anbietet (eher B2B).
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Studie: ZIA Innovationsradar – Der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) beleuchtet regelmäßig Innovationen, darunter auch KI-Anwendungen, im deutschen Immobiliensektor.
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Best Practice Use Case: Ility – eine von Appinventiv entwickelte SaaS-basierte White-Label-Immobilienplattform, integriert fortschrittliche Technologien wie KI, IoT und Cloud Computing.
Fazit
Künstliche Intelligenz hat das Potential, den deutschen Immobilienmarkt nachhaltig zu verändern. Von präziseren Bewertungen über effizientere Suchen bis hin zu optimierter Verwaltung und nachhaltigerem Bauen – die Potenziale sind riesig, für Anbieter sowie Käufer/Mieter von Immobilien. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen rund um Datenqualität, Datenschutz und die Notwendigkeit, menschliche Expertise sinnvoll mit technologischer Unterstützung zu verbinden. Es geht nicht darum, den Menschen zu ersetzen, sondern ihn zu befähigen, bessere Entscheidungen zu treffen und komplexere Aufgaben zu bewältigen. Der finnische Architekt Alvar Aalto brachte es auf den Punkt:
„Der Mensch ist Maßstab für die Stadt.“
Das gilt heute mehr denn je, auch wenn die Werkzeuge digitaler und intelligenter werden. Die KI wird den Makler oder Verwalter nicht abschaffen, aber sie wird definieren, wer in Zukunft erfolgreich ist. Bleibt der Mensch hier der Maßstab?
Ich hoffe, dieser Einblick in die Welt der KI im Immobilienmarkt war spannend für Dich! Wie siehst Du die Entwicklung? Welche Chancen und Risiken fallen Dir besonders auf? Lass uns gerne in den Kommentaren diskutieren!
Bis dahin…
Euer Arno
AI in the square meter: How artificial intelligence is reinventing the German real estate market
Dear curious, creative, explorers,
The German real estate market – an infinite expanse. It’s a topic that moves many of us. As tenants or providers of living space. Rising prices, interest rate trends, the search for the right property or the optimal management of portfolios are constant challenges. As I know people in my family who deal with the problems and perspectives of tenants and landlords on a daily basis, I wanted to take a closer look at how AI is already present in this area (or not?). One thing is certain, however: artificial intelligence is already making its presence felt more and more in the real estate sector and is beginning to fundamentally and massively change the rules of the game that have existed there forever. As in many other sectors, AI promises greater efficiency, transparency and new opportunities. For the architect Le Corbusier, it was clear:
„A house is a machine for living in.“
But how will this „machine“ change when AI becomes its architect, manager or estate agent? I would like to explore this with you today.
KI als Architekt der Zukunft: Wie der Immobilienmarkt transformiert wird
The impact of AI on the real estate market is already more diverse than it might seem at first glance. One key area is the valuation of real estate. Traditionally a complex process that requires a great deal of experience and local market knowledge, it is now being supplemented and partially automated by AI-supported systems known as Automated Valuation Models (AVMs). These models analyze huge amounts of data – from historical sales prices to location characteristics, building condition and socio-economic factors – to deliver more accurate and faster valuations. Companies such as PriceHubble and Sprengnetter are already making extensive use of such technologies to determine market values and create forecasts. This not only helps owners and buyers, but also banks to better assess risks when granting loans.
AI is also changing market analysis and trend forecasting. Algorithms can recognize patterns in market data that remain invisible to humans. They identify up-and-coming districts, forecast rental and purchase price trends and help investors make more informed decisions. The analysis of ESG criteria (environmental, social, governance) is particularly exciting. AI can help to assess the sustainability of buildings, optimize energy consumption and monitor compliance with environmental regulations – factors that are becoming increasingly important for investors and tenants. According to the paper „Emerging Trends In Real Estate“ (from page 19) by PWC, more than half of the providers working in the real estate industry have used AI for applications such as investment decisions, transactions or asset management this year.
Property search and brokerage is also being transformed by AI. Major portals such as Immobilienscout24 and Immowelt have long been using AI to provide users with personalized recommendations that go far beyond simple filter functions. AI systems learn from search behavior and preferences in order to suggest tailor-made offers. At the same time, AI chatbots are increasingly taking over initial communication, answering standard questions around the clock and pre-qualifying potential prospects. According to the study „AI – a game changer in the real estate industry?“ by EY, 78% of the real estate companies surveyed already use an internal chatbot. And with the advent of generative AI, the exposés themselves are also becoming smarter: AI can write appealing descriptive texts, create virtual tours or staging options and even personalize marketing materials, making the entire marketing process more efficient.
More than just four walls: AI in administration and sustainability
The transformation brought about by AI is not limited to buying and selling. AI is unleashing its potential to increase efficiency, particularly in the area of property management. Imagine your building automatically notifies you when the heating needs to be serviced. This is exactly what predictive maintenance based on AI makes possible. Sensor data from buildings is analyzed to predict maintenance requirements before expensive breakdowns occur. This saves costs and increases tenant satisfaction. At the same time, AI chatbots can take over communication with tenants, process inquiries and solve simple problems. AI-supported software can also be used to automate administrative tasks such as rental contract management or ancillary cost accounting, which relieves managers and gives them more time for more complex tasks. LegalTech applications also help with the standardized creation and review of contracts.
Another hugely important area is sustainability and the construction process. In view of climate targets and rising energy costs, the energy efficiency of buildings is becoming increasingly important. AI plays a key role here: it can analyze and optimize energy consumption in real time, intelligently control heating, ventilation and air conditioning systems (keyword „smart building“) and make suggestions for energy-efficient renovations. In new buildings, AI can help to select sustainable materials, optimize resource consumption and make construction processes more efficient as early as the planning phase. The integration of AI in Building Information Modeling (BIM) enables more precise planning and reduces error rates on the construction site, which not only saves costs but also helps to conserve resources. AI is also becoming more relevant for architecture.
Did you know?
Companies such as Ximilar and Hellodata not only make it possible to evaluate properties based on photos alone, but also to filter them according to users‘ individual style preferences. This means that users can simply upload a picture of their dream property, for example, and AI then automatically searches for similar properties on the market – regardless of whether they have previously been tagged or described in the traditional way. This suddenly makes searching for real estate as intuitive as shopping for fashion by picture.
Tips and tricks: using AI in everyday real estate life
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Smart real estate search: Use the personalized recommendations of AI-supported portals and be open to suggestions that differ slightly from your original criteria – the AI may know of attractive alternatives.
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Use online valuation tools critically: AVMs can provide an initial assessment, but are not (yet) a substitute for a detailed assessment by experts*, especially for individual or complex properties.
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Check energy efficiency: As an owner or tenant, you can use AI-based tools (often integrated into smart home systems) to analyze your energy consumption and find optimization potential.
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Be careful with exposés: Be aware that texts and images (virtual staging) can increasingly be AI-generated. Check critically and ask if anything is unclear.
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Follow PropTech trends: Stay curious about what new AI applications are coming onto the market for tenants, buyers or managers – development is rapid and it’s worth staying up to date here (if you’re planning to buy, sell, rent or let in the near future).
Top Links:
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Tool/App: PriceHubble – An example of a company that offers AI-supported real estate valuations and market analyses (more B2B).
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Study: ZIA Innovationsradar – The German Property Federation (ZIA) regularly examines innovations, including AI applications, in the German real estate sector.
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Best Practice Use Case: Ility – a SaaS-based white-label real estate platform developed by Appinventiv, integrates advanced technologies such as AI, IoT and cloud computing.
Conclusion
Artificial intelligence has the potential to permanently change the German real estate market. From more precise valuations and more efficient searches to optimized management and more sustainable construction – the potential is huge, both for providers and buyers/tenants of real estate. At the same time, new challenges are arising around data quality, data protection and the need to combine human expertise with technological support in a meaningful way. The aim is not to replace people, but to enable them to make better decisions and manage more complex tasks. The Finnish architect Alvar Aalto put it in a nutshell:
„People are the benchmark for the city.“
This applies today more than ever, even if the tools are becoming more digital and intelligent. AI will not do away with the estate agent or property manager, but it will define who is successful in the future. Will humans remain the benchmark here?
I hope you found this insight into the world of AI in the real estate market exciting! How do you see the development? What opportunities and risks stand out to you in particular? Let’s discuss in the comments!
Until then…
Your Arno