KI-Logbuch
Inspiration, Entdeckungen, Anwendungen
Liebe Neugierige, Kreative, Entdecker*innen,
man muss dieser Tage schon ein wenig aufpassen, dass man vor lauter, täglicher Neuigkeiten zu (generativer) künstlicher Intelligenz nicht den Blick in Richtung Zukunft aus den Augen verliert. So wichtig auch eine Einschätzung zur aktuellen Situation und kurz dahinter ist (siehe mein Newsletter vom 25. September): um Herausforderungen schon heute zu antizipieren und sich entsprechend darauf vorbereiten zu können, hilft ab und zu ein weiterer Blick nach vorn. Und genau das wollen wir heute einmal angehen, völlig subjektiv nach vorne schauen. Im Rahmen dieser KI-Logbuch Ausgabe mit besonderem Fokus auf die Frage nach dem potentiellen Einfluss künstlicher Intelligenz auf Politik und Sozioökonomie im Jahr 2030. Jemand, der schon immer weit in der Zukunft gedacht und gelebt hat ist Ray Kurzweil, US-amerikanischer Autor, Erfinder, Futurist und Leiter der technischen Entwicklung bei Google LLC. Er ist überzeugt:
„In den 2030er Jahren wird der nicht-biologische Teil unserer Intelligenz überwiegen.“
Sollte er mit seiner gewagten Hypothese Recht behalten, würden seine Worte die Bedeutung und Dringlichkeit unseres heutigen Themas auf den Punkt bringen. Denn eines ist mittlerweile auch den größten Zweiflern klar geworden: wie auch immer die Details aussehen werden, KI wird unsere Welt in den nächsten Jahren auf die eine oder andere Art und Weise massiv beeinflussen – aber wie soll das genauer aussehen? Lasst uns einmal vorsichtig nach vorne blicken und einen vagen Blick in die Zukunft wagen.
KI als Wirtschaftsmotor der Zukunft
Eines steht fest: KI wird bis 2030 zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor werden. Laut einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) könnte KI bis dahin rund 40% der weltweiten Arbeitsplätze beeinflussen. In fortgeschrittenen Volkswirtschaften könnten sogar 60% der Jobs betroffen sein.
Dabei wird KI nicht nur Arbeitsplätze ersetzen, sondern auch neue schaffen und die Produktivität steigern. McKinsey schätzen, dass KI das globale BIP bis 2030 um 1,2% jährlich anheben könnte. Das klingt zunächst nach wenig, summiert sich aber auf einen gewaltigen Betrag von 13 Billionen US-Dollar.
Andere Prognosen fallen noch optimistischer aus. So rechnete die Unternehmensberatung PwC bereits 2018 mit einem KI-bedingten BIP-Zuwachs von bis zu 14% oder 15,7 Billionen Dollar bis 2030. Das wäre ein enormer Wachstumsschub für die Weltwirtschaft.
Allerdings werden die wirtschaftlichen Auswirkungen regional sehr unterschiedlich ausfallen. Nordamerika und China dürften am meisten profitieren, während Entwicklungsländer zunächst weniger stark von KI profitieren werden. Das birgt die Gefahr einer weiteren Verschärfung globaler Ungleichheiten. Wo wird sich in den kommenden Jahren Europa positionieren?
Politische und gesellschaftliche Herausforderungen
Die rasante Entwicklung von KI wird nicht nur die Wirtschaft, sondern auch Politik und Gesellschaft vor große Herausforderungen stellen. Experten erwarten, dass KI-bedingte Jobverluste bis 2030 zu einem der meistdiskutierten politischen und sozialen Themen werden.
Andererseits werden durch KI auch neue Jobs entstehen. Laut einer HubSpot Studie gaben zum Beispiel 67% der Befragten gaben an, dass sich der Personalbestand in ihrer Abteilung durch KI erhöht habe. Doch dieser Prozess wird nicht reibungslos ablaufen. Viele Menschen werden sich umorientieren und weiterbilden müssen. Das wird zu Verunsicherung und möglicherweise auch zu sozialen Spannungen führen. Nachvollziehbar, schaut man auf eine Goldmann Sachs Studie laut derer bis zu 300 Millionen Vollzeitarbeitsplätze weltweit von KI-Automatisierung betroffen sein könnten.
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Besonders gefährdet sind laut einer Studie von OpenAI und der University of Pennsylvania Berufe wie Buchhalter, Mathematiker, Programmierer, Dolmetscher und Texter.
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Im Transportsektor sind Fahrer durch autonome Fahrzeuge bedroht. Unternehmen wie Uber kooperieren bereits mit Anbietern wie Waymo mit ersten selbstfahrenden Autos.
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Im Telekommunikationssektor plant British Telecom den Abbau von 10.000 Stellen in 7 Jahren, teilweise durch KI-gestützte Kundendienst-Technologien.
Politiker werden gefordert sein, Lösungen für diese Herausforderungen zu finden. Konzepte wie ein bedingungsloses Grundeinkommen könnten von Randthemen zu konkreten Gesetzesvorhaben werden, schreibt Forbes. Wir alle werden intensiv darüber diskutieren müssen, wie die Vorteile von KI gerecht verteilt werden können.
Auch der Einsatz