Curtis Yarvin: wie ein Silicon-Valley-Nerd Amerika umprogrammieren will



Curtis Yarvin: wie ein Silicon-Valley-Nerd Amerika umprogrammieren will



KI-Logbuch

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Curtis Yarvin: wie ein Silicon-Valley-Nerd Amerika umprogrammieren will

Created on 2025-02-18 23:25

Published on 2025-02-19 05:00

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Liebe Neugierige, Kreative, Entdecker*innen,

ein Gespenst geht um. Es ist kein Geheimnis, dass die politische Landschaft der USA im Jahr 2025 von polarisierenden Kräften geprägt ist. Doch während die Medien über Wahlkampfauftritte und Gesetzesvorhaben berichten, vollzieht sich im Hintergrund ein ideologischer Umbruch, der an Radikalität kaum zu überbieten ist. Der Name Curtis Yarvin taucht dabei immer häufiger auf – ein Mann, der vor einem Jahrzehnt noch als obskurer Blogger abgetan wurde, heute aber als geistiger Wegbereiter für Trumps autoritäre Ambitionen gilt. Wie ich bereits im KI-Logbuch „Demokratie am Scheideweg“ skizzierte, sind Technologie und Machtpolitik längst untrennbar verwoben. Yarvin verkörpert diese Symbiose auf verstörende Weise. Der Philosoph Byung-Chul Han warnte bereits, dass die größte Gefahr für die Demokratie nicht von außen, sondern aus ihrem eigenen Inneren käme – aus der Arroganz der Eliten und der Verzweiflung der Vergessenen. Genau hier setzt Yarvins Narrativ an, das nun Einzug in die höchsten Kreise hält.


Curtis Yarvins Blaupause für den Autoritarismus 2.0

Curtis Yarvin, ein 51-jähriger Softwareingenieur und ehemaliger Tech-Gründer, entwirft seit 2007 unter dem Pseudonym „Mencius Moldbug“ ein politisches System, das er selbst als „neoreaktionär“ bezeichnet. Sein Kernargument: Die USA seien keine funktionierende Demokratie, sondern eine „Kathedrale“ – ein von liberalen Eliten in Medien, Universitäten und Behörden kontrolliertes Propagandasystem. Diese „Kathedrale“ produziere eine „progressive Religion“, die durch „Cancel Culture“ und „Wokeism“ jede abweichende Meinung unterdrücke. Yarvins Lösung? Ein „Hard Reset“: Die Abschaffung demokratischer Institutionen zugunsten einer monarchistischen Führung, die er euphemistisch als „CEO der USA“ bezeichnet.

Was wie dystopische Science-Fiction klingt, hat konkrete politische Konsequenzen. Vizepräsident J.D. Vance, Trumps rechte Hand, bezog sich explizit auf Yarvins Konzept des „RAGE“ (Retire All Government Employees), als er kürzlich forderte, „jeden mittleren Bürokraten zu entlassen und durch unsere Leute zu ersetzen“. Yarvins Einfluss reicht jedoch weiter: Michael Anton, designierter Staatssekretär, diskutierte mit ihm die Errichtung eines „amerikanischen Caesar“, während Tech-Magnaten wie Peter Thiel und Marc Andreessen seine Ideen finanziell und ideologisch unterstützen.

Das Gefährliche an Yarvins Theorien ist ihre pseudowissenschaftliche Verpackung. Indem er historische Beispiele wie Franklin D. Roosevelt heraufbeschwört – der 1933 zeitweise diktatorische Vollmachten erhielt –, konstruiert er eine scheinbare Legitimität für autoritäre Machtübernahmen. Doch im Gegensatz zu FDRs New Deal zielt Yarvins „Reset“ auf die dauerhafte Ausschaltung checks and balances: Die Abschaffung unabhängiger Gerichte, die Zentralisierung der Polizeigewalt und die Schließung kritischer Medien wie der New York Times. Wie ein Algorithmus, der sich selbst optimiert, entwirft er einen Staat, der oppositionelle „Bugs“ systematisch eliminiert.


Silicon Valley meets MAGA: Wie Tech-Milliardäre Yarvins Vision finanzieren

Während Yarvins Bücher früher nur in Online-Foren kursierten, fließen heute Millionen aus dem Tech-Sektor in seine Projekte. Marc Andreessen, Mitgründer von Netscape und Trump-Berater, pries Yarvins „kühnes Umdenken von Governance“ als „die nächste disruptive Innovation“. Peter Thiel, der bereits Palantir (eine umstrittene Datenanalyse-Firma) mitbegründete, investierte in Yarvins Startup „Urbit“ – ein dezentrales Computernetzwerk, das als Infrastruktur für alternative Machtstrukturen dienen könnte.

Dieser Tech-Autoritarismus bedient sich digitaler Werkzeuge: Yarvins „Trump-App“-Idee sieht vor, mittels einer Mobilisierungsplattform 80 Millionen Anhänger*innen zu koordinieren – für „friedliche Proteste“ vor Gerichten oder Behörden, die seiner Meinung nach „gehorsam“ gemacht werden müssen. Trump’s Truth Social App könnte ein erster Schritt Richtung einer solchen Platform sein. Es ist der Traum eines Social-Media-Coups: Likes in Legislative, Shares in Exekutive verwandeln. Gleichzeitig plant er die „Liquidierung“ von Institutionen wie Harvard, die er als „Hirnwäschezentren“ der liberalen Elite brandmarkt.

Doch hier offenbart sich ein Widerspruch: Ausgerechnet Tech-Milliardäre, die ihr Vermögen in der freien Marktwirtschaft machten, unterstützen ein System, das Wettbewerb und Innovation erstickt. Ironischerweise antwortet Yarvin darauf mit dem Vorschlag, die USA in eine Monarchie verwandeln zu wollen. Der Staat als Startup. Ein gefährliches Narrativ, das Unternehmenshierarchien mit Staatsführung gleichsetzt.

Schon gewusst?

Yarvins Pseudonym „Mencius Moldbug“ kombiniert den Namen eines chinesischen Philosophen (Mengzi) mit „Moldbug“ – einer Anspielung auf „Moldbug the Ungovernable“, eine Figur aus einem Sci-Fi-Roman. Dies verrät viel über sein Selbstverständnis als rebellischer Querdenker im Kampf gegen das „Establishment“.


5 Tipps, um dem digitalen Autoritarismus zu begegnen

  1. Informiert bleiben: Hinterfragt Tech-Utopien – was als „Innovation“ verkauft wird, kann auch Machtkonzentration verschleiern.

  2. Zivilgesellschaft stärken: Engagiert Euch in NGOs, die digitale Bürgerrechte verteidigen.

  3. Kritisches Denken fördern: Unterstützt Bildungsinitiativen, die Medienkompetenz und politische Philosophie lehren.

  4. Transparenz einfordern: Fragt Politiker*innen nach ihren Verbindungen zu Tech-Lobbyisten.

  5. Geschichte studieren: Autoritäre Regime bedienen sich oft ähnlicher Muster – Wissen ist die beste Prävention.


Top-Links


Fazit

„Was soll ich meinen Kindern sagen? Dass alles furchtbar enden wird? Das ist keine Option. Nichts ist festgelegt, wir können Geschichte jeden Tag ändern. Alles, was morgen passiert, hängt von dem ab, was wir heute tun.“ Anne Applebaum, Historikerin und Journalistin

In diesen Zeiten müssen wir uns fragen: Wollen wir eine Gesellschaft, die wie ein schlecht gepatchtes Betriebssystem funktioniert – oder eine, die ihre Fehler demokratisch korrigiert? Ich Euch, liebe Leser*innen, für Euer kritisches Auge. Diskutiert gerne in den Kommentaren: Wie können wir Technologie nutzen, um Demokratie zu stärken statt zu untergraben? Oder überspitzt gefragt, lässt sich Demokratie automatisieren?

Bleibt neugierig,

Arno


Curtis Yarvin: how a Silicon Valley nerd wants to reprogram America

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Dear curious, creative, explorers,

It’s no secret that the US political landscape in 2025 is characterized by polarizing forces. But while the media reports on campaign appearances and proposed legislation, an ideological upheaval is taking place in the background that is hard to beat in terms of radicalism. The name Curtis Yarvin is cropping up with increasing frequency – a man who was dismissed as an obscure blogger a decade ago but is now seen as an intellectual trailblazer for Trump’s authoritarian ambitions. As I outlined in the AI logbook „Democracy at a crossroads„, technology and power politics have long been inextricably intertwined. Yarvin embodies this symbiosis in a disturbing way. The philosopher Byung-Chul Han already warned that the greatest danger to democracy would not come from outside, but from within – from the arrogance of the elites and the despair of the forgotten. This is precisely where Yarvin’s narrative comes in, which is now finding its way into the highest circles.


Curtis Yarvin’s blueprint for authoritarianism 2.0

Curtis Yarvin, a 51-year-old software engineer and former tech founder, has been designing a political system under the pseudonym „Mencius Moldbug“ since 2007, which he himself describes as „neoreactionary“. His core argument is that the USA is not a functioning democracy, but a „cathedral“ – a propaganda system controlled by liberal elites in the media, universities and authorities. This „cathedral“ produces a „progressive religion“ that suppresses any dissenting opinion through „cancel culture“ and „wokeism“. Yarvin’s solution? A „hard reset“: The abolition of democratic institutions in favor of a monarchist leadership, which he euphemistically refers to as the „CEO of the USA“.

What sounds like dystopian science fiction has concrete political consequences. Vice President J.D. Vance, Trump’s right-hand man, explicitly referred to Yarvin’s concept of „RAGE“ (Retire All Government Employees) when he recently called for „firing every mid-level bureaucrat and replacing them with our people„. Yarvin’s influence extends further, however: Michael Anton, Secretary of State-designate, has discussed the establishment of an „American Caesar“ with him, while tech magnates such as Peter Thiel and Marc Andreessen support his ideas financially and ideologically.

The dangerous thing about Yarvin’s theories is their pseudo-scientific packaging. By invoking historical examples such as Franklin D. Roosevelt – who was temporarily granted dictatorial powers in 1933 – he constructs an apparent legitimacy for authoritarian takeovers. But in contrast to FDR’s New Deal, Yarvin’s „reset“ aims to permanently eliminate checks and balances: the abolition of independent courts, the centralization of police power and the closure of critical media such as the New York Times. Like an algorithm that optimizes itself, he designs a state that systematically eliminates opposition „bugs“.


Silicon Valley meets MAGA: How tech billionaires are funding Yarvin’s vision

While Yarvin’s books used to only circulate in online forums, millions from the tech sector are now flowing into his projects. Marc Andreessen, co-founder of Netscape and Trump advisor, praised Yarvin’s „bold rethinking of governance“ as „the next disruptive innovation“. Peter Thiel, who co-founded Palantir (a controversial data analysis company), invested in Yarvin’s start-up „Urbit“ – a decentralized computer network that could serve as an infrastructure for alternative power structures.

This tech authoritarianism makes use of digital tools: Yarvin’s „Trump app“ idea envisages using a mobilization platform to coordinate 80 million supporters – for „peaceful protests“ in front of courts or authorities, which he believes must be made „obedient“. Trump’s Truth Social App could be a first step towards such a platform. It is the dream of a social media coup: turning likes into legislation, shares into executive power. At the same time, he plans to „liquidate“ institutions like Harvard, which he brands as „brainwashing centers“ of the liberal elite.

But this reveals a contradiction: tech billionaires, of all people, who made their fortune in the free market economy, support a system that stifles competition and innovation. Ironically, Yarvin responds by proposing to turn the USA into a monarchy. The state as a startup. A dangerous narrative that equates corporate hierarchies with governance.


Did you know?

Yarvin’s pseudonym „Mencius Moldbug“ combines the name of a Chinese philosopher (Mengzi) with „Moldbug“ – an allusion to „Moldbug the Ungovernable“, a character from a sci-fi novel. This reveals a lot about his self-image as a rebellious lateral thinker fighting against the „establishment“.


5 tips for countering digital authoritarianism

  • Stay informed: Question tech utopias – what is sold as „innovation“ can also disguise concentrations of power.

  • Strengthen civil society: Get involved in NGOs that defend digital civil rights.

  • Promote critical thinking: Support educational initiatives that teach media literacy and political philosophy.

  • Demand transparency: Ask politicians about their connections to tech lobbyists.

  • Study history: Authoritarian regimes often use similar patterns – knowledge is the best prevention.


Top links


Conclusion

„What should I tell my children? That everything will end horribly? That’s not an option. Nothing is fixed, we can change history every day. Everything that happens tomorrow depends on what we do today.“ Anne Applebaum, historian and journalist

In these times, we have to ask ourselves: do we want a society that functions like a badly patched operating system – or one that democratically corrects its mistakes? Thank you, dear readers, for your critical eye. Feel free to discuss in the comments: How can we use technology to strengthen democracy instead of undermining it? Or, to put it bluntly, can democracy be automated?

Stay curious,

Arno


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