KI-Logbuch
Inspiration, Entdeckungen, Anwendungen
Wenn Algorithmen komponieren: KI als Dirigent unserer Gefühle?
Created on 2024-10-13 00:20
Published on 2024-10-16 04:00
Liebe Neugierige, Kreative, Entdecker*innen,
ich liebe Musik! Neben Klavier spiele ich gerne immer noch ab und zu Schlagzeug. An meinem Rechner sammle ich ebenfalls seit geraumer Zeit mit einer DAW meine Erfahrungen – Master Keyboard + MIDI, etc. Meine neueste Passion ist aber Musik mit und von künstlicher Intelligenz! Auf Soundcloud habe ich so bereits drei eigene Alben veröffentlichen können (ich weiß, ist Geschmackssache. Mir gefällt’s aber). Und so habe ich mich einmal genauer mit dem Thema beschäftigt. Interessant dabei, wie Musik emotionale Verbindungen knüpfen kann. Wer kennt das nicht? Wir hören einen bestimmten Song und, „Plopp!“, vor dem inneren Auge startet gleich ein ganzer Film. Wie der amerikanische Komponist Aaron Copland einmal sagte:
„Die einfachste Antwort auf die Frage ‚Wozu dient Musik?‘ lautet: Sie dient dazu, uns zu bereichern und unser Leben zu verschönern.“
Doch was aber passiert, wenn künstliche Intelligenz beginnt, unsere musikalischen Erwartungen und Emotionen zu steuern? Unmöglich? Dann lest mal lieber schnell weiter.
KI-generierte Musik und die Psychologie der Erwartung
David Hurons bahnbrechendes Buch „Sweet Anticipation: Music and the Psychology of Expectation“ (danke für den Tipp, Dr. Tristan Behrens!) bietet uns einen tiefen Einblick in die Mechanismen, die unsere emotionalen Reaktionen auf Musik steuern. Huron argumentiert, dass ein Großteil unserer Reaktionen auf Musik auf evolutionär erworbenen Strategien beruht, die ursprünglich dem Überleben dienten. Die Fähigkeit, Ereignisse vorauszusehen und darauf zu reagieren, war für unsere Vorfahren lebenswichtig – und diese Fähigkeit, so Huron, nutzen wir heute, um Musik zu genießen.
Der Autor identifiziert fünf verschiedene Reaktionssysteme, die bei der Verarbeitung von Musik eine Rolle spielen:
- Reaktionsantworten (defensive Reflexe)
- Spannungsantworten (Unsicherheit führt zu Stress)
- Vorhersageantworten (Belohnung für genaue Vorhersagen)
- Imaginationsantworten (ermöglichen aufgeschobene Befriedigung)
- Bewertungsantworten (nach bewusster Überlegung)
Diese Systeme erzeugen in der Regel eine komplexe Mischung von Gefühlen, wenn wir Musik hören.
KI als Komponist der Zukunft
Man stelle sich jetzt mal vor, künstliche Intelligenz wäre in der Lage, diese psychologischen Mechanismen gezielt auszunutzen. KI-Systeme könnten Musik komponieren, die perfekt auf unsere individuellen Erwartungen und emotionalen Bedürfnisse zugeschnitten wäre. Sie könnten lernen, wie man Spannung aufbaut, Überraschungen erzeugt und Belohnungen für korrekte Vorhersagen liefert – alles in Echtzeit und personalisiert für jeden einzelnen Hörer.
Mit Suno oder Udio haben wir ja bereits heute KI-Tools zur Hand, die Texte in Musik umwandeln können. Diese Technologie wird sich in den kommenden Jahren mit ziemlicher Sicherheit weiterentwickeln. Vielleicht muss man dann nur noch einfach einen Gefühlszustand oder eine Stimmung beschreiben und die KI würde daraus ein maßgeschneidertes Musikstück komponieren, das genau diese Emotionen hervorruft oder verstärkt.
Chancen und Herausforderungen
Die Möglichkeiten, die sich durch KI-generierte Musik eröffnen, sind faszinierend. Personalisierte Soundtracks für unseren Alltag, therapeutische Musik zur Stressreduktion oder kreative Unterstützung für menschliche Komponisten sind nur einige der denkbaren Anwendungen. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch der Herausforderungen bewusst sein. Wenn KI in der Lage ist, unsere Emotionen durch Musik gezielt zu manipulieren, wirft das ethische Fragen auf. Wie authentisch sind unsere Gefühle, wenn sie von einem Algorithmus hervorgerufen werden? Das fragt sich auch „Manoj“ von „Hackernoon„.
While AI-generated music can be technically complex and aesthetically pleasing, the question of its emotional impact remains. Music often evokes feelings and memories; can a machine replicate the depth of human emotion in a musical composition?
Was bedeutet das also letztlich für die Zukunft menschlicher Kreativität in der Musik?
Die Zukunft der Musikindustrie
Die Auswirkungen von KI-generierter Musik auf die Musikindustrie könnten erheblich sein. Es ist recht deutlich auch hier auf LinkedIn zu beobachten: einige befürchten, dass KI-Musik eine existenzielle Bedrohung für menschliche Musiker darstellen könnte, insbesondere im Bereich der Live-Musik. Wenn Zuhörer ihre emotionale Verbindung zu menschlichen Musikschaffenden verlieren, könnte dies beispielsweise die Motivation, Live-Konzerte zu besuchen, verringern. Andererseits bietet KI auch Chancen für Kreative. KI-Tools könnten als Inspirationsquelle, den ersten Entwurf, dienen und Musikern helfen, neue Ausdrucksformen zu finden. Eine für mich jedenfalls recht logisch-zwangsläufige Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine könnte zu völlig neuen Musikstilen und Erlebnissen führen.
Eine neue musikalischen Erfahrung?
Die Zukunft KI-generierter Musik könnte unsere emotionale Beziehung zu Musik grundlegend verändern. Frida Kahlo sagte einmal:
“Ich habe nie Träume gemalt. Ich habe meine eigene Realität gemalt.”
Wie unglaublich wäre es, wenn wir in Zukunft nicht nur Realitäten, Visionen oder Zukünfte kreativ erschaffen könnten, sondern dank KI auch ganz neue musikalische Erfahrungen schaffen würden?