Fake Livestream Sims: Social Media Star in der eigenen KI-Echokammer

KI-Logbuch
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Fake Livestream Sims: Social Media Star in der eigenen KI-Echokammer

Liebe Neugierige, Kreative, Entdecker*innen,

willkommen auch diese Woche zu einer neuen Ausgabe des KI-Logbuchs!

Ich war die vergangenen 2 Wochen mit eingeschränkter Internetverbindung und wenig "Digitalem" unterwegs – Urlaub eben. Am Gate während meiner Rückreise habe ich dann mit reichlich "Free WiFi" am Flughafen meine Feeds durchblättert. Dabei bin ich auf etwas ziemlich Kurioses gestoßen: Fake Livestream Apps mit KI-generierten Zuschauern. Der "Trend" (wenn man es wirklich so nennen darf, bin da noch etwas zurückhaltend) ist eigentlich schon ziemlich alt. So kann man erste Artikel dazu schon vor 6 Monaten im Web finden. Und auch, wenn das Ganze irgendwie einen ziemlich unseriösen Beigeschmack hat, finde ich das Phänomen an sich, egal ob erst einmal halb "gefaked" oder bereits real, unglaublich spannend. Zeigt es doch, in welche Richtung sich Gesellschaft auch entwickeln kann oder könnte. Und definitiv Grund genug für mich, das Ganze einmal in einem Newsletter zu zerlegen. Denn das Thema "KI simulierte Social Media Fan Communities" zahlt auf eines meiner Lieblingsthemen ein – die zunehmende Auflösung der Grenzen zwischen Realität und Fiktion oder wie es Science-Fiction-Autor Philip K. Dick einmal treffend formulierte:

"Reality is that which, when you stop believing in it, doesn’t go away."

Nur was passiert, wenn die Realität selbst durch KI zum Ego-steigernden Durchlauferhitzer wird?


Die neue Welt der Fake Livestreams

Stell dir vor, du könntest mit einem Klick (oder auf Deinem Handy ein "Tap") zum gefeierten Livestreamer werden, umjubelt von Tausenden begeisterter Fans. Klingt utopisch? Nicht mehr! Ein paar ungewöhnliche Apps ermöglichen nämlich genau das seit geraumer Zeit – mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Anwendungen wie "Parallel Live" (Android) oder "Famefy" (iOS) erzeugen täuschend echte Livestream-Umgebungen, komplett mit KI-gesteuerten Zuschauern, Kommentaren und sogar virtuellen Spenden.

Deren Werbeversprechen sind da schon recht vollmundig (und deutliche Opfer eines schwachen "Auto Translate") – Famefy beispielsweise:

Begeben Sie sich mit Famefy auf eine aufregende Reise zum Ruhm! Diese innovative Plattform verwandelt das Konzept des Live-Streamings, indem sie Sie in eine lebendige Welt mit KI-generierten Fans einführt. Famefy bietet ein einzigartiges und fesselndes Erlebnis direkt an Ihren Fingerspitzen und ermöglicht es Ihnen, das Wesen des Online-Stardoms innerhalb eines virtuellen Bereichs zu erleben.

Die Funktionsweise der Apps ist dabei recht simpel gestrickt: Man startet den Stream und die App generiert in Echtzeit scheinbar authentische Zuschauer. In der kostenfreien Version sind dies einige hundert virtuelle Personen im Stream, die Bezahlversion bietet dagegen mehrere tausend KI Zuschauer an. Ich habe nur die kostenfreie Version von "Parallel Live" getestet. Die KI-Zuschauer reagieren auf das, was man sagt, stellen Fragen und interagieren auch untereinander – alles vollautomatisch und überraschend realistisch. In der Bezahlversion kann man dann auch vordefinierte Befehle nutzen, um bestimmte Reaktionen auszulösen oder die Stimmung zu steuern. "Parallel Live" hat sogar eine "Hater" Funktion, die dann auf den menschlichen Streamer mit sarkastischen, fiesen Kommentaren und Reaktionen antwortet. Da dies eine Bezahlfunktion ist, habe ich mir dazu das Video von "AlexiBexi" angeschaut.


Echte Fake Apps, reale Nutzerzahlen

Nach meiner Recherche steht jedenfalls für mich fest: Apps wie "Parallel Live" und "Famefy" erfreuen sich in gewissen Kreisen wachsender Beliebtheit, sind aber als Apps per se kein wirklicher Trend. Da schon viel eher die Tatsache, dass wir grundsätzlich auf eine Ära der synthetischen Inhalte auf allen Seiten der Content-Verwertungskette zusteuern, bei denen, die Inhalte bereit stellen und denen, die diese konsumieren. Die genannten Apps sind in diesem etwas größer gefassten Kontext dann eher Phänotypen dieser Entwicklung. Dennoch: allein Famefy verzeichnet im US-iOS App Store über 55.000 Bewertungen, während Parallel Live über 12.000 Rezensionen im selben App Store vorweisen kann. Zumindest in den USA scheint die Nachfrage also durchaus vorhanden zu sein – doch wer nutzt diese Apps eigentlich und wozu?


Zielgruppe und Nutzungsszenarien

Laut einem Artikel von Jason Koebler, Mitbegründer des digitalen Investigativmagazins "404 Media", richten sich Apps wie "Parallel Live" oder "Famefy" nicht an Influencer oder Content Erstellende, sondern eher an ganz normale Menschen. Die Apps versprechen den Nutzern (Gendern nicht nötig), die über die App erzeugte, synthetische Popularität für "andere Zwecke" einsetzen zu können. Freundlich gesagt, geht es darum, in sozialen Situationen zu beeindrucken und das eigene Selbstbewusstsein zu stärken. Man könnte es aber auch anders formulieren. Nämlich so…

Denn das weitaus problematischere Nutzungsszenario ist hier auch gleichzeitig das gängigste: Männer verwenden die Apps gezielt, um Frauen zu beeindrucken oder zu manipulieren. Der Influencer ItsPoloKidd demonstrierte in einem viral gegangenen Video, wie er mit Hilfe von Parallel Live eine Frau in einer Bar davon überzeugte, dass er ein berühmter Streamer sei. Solche Praktiken werfen natürlich ethische Fragen auf, auf die wir später noch eingehen werden. Doch gehen w

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