UMG & SoundLabs: KI-Stimmen-Dilemma

Die Universal Music Group kollaboriert seit Kurzem mit dem KI-Startup SoundLabs. Mithilfe deren „MicDrop“-Technologie können Künstler in Zukunft ultra-hochauflösende digitale Stimmmodelle von sich selbst erstellen.

Ich bin da ehrlich gesagt hin- und hergerissen. Auf der einen Seite finde ich es irre, welche kreativen Möglichkeiten sich durch KI-generierte Stimmmodelle für Künstler eröffnen. Das habe ich ja privat im Kleinen schon mehrfach ansatzweise getestet: Singen in fremden Sprachen, Duette mit dem jüngeren Ich – das ist alles schon echt beeindruckend.

Andererseits muss man sich schon fragen: Wird diese Technologie den kreativen Prozess wirklich optimieren, verbessern, demokratisieren oder führt sie am Ende zu einer Entwertung künstlerischer Fähigkeiten, weil alles möglich wird? Weil keine „Skills“ mehr im klassischen Sinne gebraucht werden? Und: Wer kontrolliert, was mit den Stimmmodellen geschieht, auch wenn die Rechte und Modelle zunächst bei den Künstlern liegen sollen? Wir stehen hier sicher erst am Anfang einer Entwicklung, deren Tragweite wir noch nicht absehen können. Das gilt übrigens nicht nur beim Thema „Musik und KI“. Nehmt hier einfach mal „Thema X und KI“.

Wir müssen deshalb endlich anfangen, uns als Gesellschaft mit KI, den Chancen und Risiken rund um diese Technologie aktiv auseinander zu setzen. Es braucht einen breiten Dialog zwischen denen, die KI in ihre Produkte integrieren wollen, Technologieunternehmen, Ethikern, Gesellschaft und Politikern, um Leitplanken für den Einsatz solcher KI-Systeme zu definieren. Nicht, weil wir immer alles regeln wollen, sondern, um Entwicklungen „Mensch-verträglich“ zu gestalten. Damit niemand angehängt wird.

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