KI-Logbuch
Inspiration, Entdeckungen, Anwendungen
#2 – Digitale Avantgarde oder Propheten der Neuzeit? Was wir von Science Fiction Autoren lernen können.
Created on 2024-05-29 22:07
Published on 2024-06-05 03:00
In der vorangegangenen Ausgabe meines KI-Logbuchs verwendete ich ein Zitat von William Gibson:
„Die Zukunft ist schon da. Sie ist nur noch nicht gleichmäßig verteilt.“ – William Gibson
In diesem Logbuch Eintrag dreht sich alles um einen der einflussreichsten Science-Fiction-Autor: William Gibson, Vater des Cyberpunk-Genres. Gibson prägte mit Romanen wie „Neuromancer“, „Count Zero“ oder „Mona Lisa Overdrive“ unsere Vorstellung von der Zukunft und erkannte früh die Bedeutung von Computernetzwerken und Künstlicher Intelligenz. Neuer Erzählungen wie „Altered Carbon“ (mein Serientipp auf Netflix) borgen aus meiner Perspektive deutlich Elemente aus dem Gibson’schen Worldbuilding. Aber auch Computerspiele wie Cyberpunk 2077 sind eindeutige Kinder der von Gibson erdachten Welten.
Wer ist William Gibson?
William Ford Gibson wurde 1948 in South Carolina geboren und wuchs in Virginia auf. Um dem Vietnamkrieg zu entgehen, zog er 1967 nach Kanada, wo er an der University of British Columbia studierte. Schon als Student veröffentlichte er erste Kurzgeschichten. Sein Debütroman „Neuromancer“ von 1984 begründete das Cyberpunk-Genre und gewann die wichtigsten SF-Preise Hugo, Nebula und Philip K. Dick Award. Gibson prägte darin Begriffe wie „Cyberspace“ und „Matrix“ und skizzierte eine dystopische Zukunft, in der Konzerne die Welt beherrschen und die Grenzen zwischen Realität und Virtualität verschwimmen. Es folgten die Romane „Count Zero“ (1986) und „Mona Lisa Overdrive“ (1988), die zusammen mit „Neuromancer“ die „Sprawl“-Trilogie bilden. In den 1990ern wandte sich Gibson mit der „Bridge“-Trilogie unserer Gegenwart zu. Auch seine Romane des 21. Jahrhunderts wie „Pattern Recognition“ (2003) spielen in einer Welt, die der unseren immer ähnlicher wird.
Warum wir Science-Fiction in Zeiten von KI brauchen
Angesichts der rasanten Fortschritte generativer KI wie ChatGPT stellt sich die Frage: Welche Rolle spielt Science-Fiction-Literatur heute noch? Die Antwort lautet: Eine wichtigere Rolle denn je! Denn es sind gerade die SF-Autoren, die uns für mögliche Zukünfte sensibilisieren, in denen wir dann ganz natürlich Chancen und Risiken neuer Technologien einsehen können. Science-Fiction dient als kreativer Spielplatz, als Testlabor, um Trends, aktuelle Hypes und Innovationen zu erkennen, zu hinterfragen und schließlich auch weiterzudenken. Egal ob Überwachung, Transhumanismus oder KI – oft waren es SF-Autoren, die solche Entwicklungen vorwegnahmen. Ihre Visionen inspirieren Forscher und Ingenieure, können aber auch als Warnungen dienen – man denke an Gibsons düstere Cyberpunk-Welten. Gerade weil KI-Systeme immer mächtiger werden, brauchen wir positive Narrative. SF-Literatur kann Wege aufzeigen, wie wir Technologien menschenzentriert und gemeinwohlorientiert gestalten. Initiativen wie die „Worldbuilding Competition“ des Future of Life Institute bringen Kreative und KI-Experten zusammen, um neue Entwürfe für mögliche Zukünfte zu konzipieren. Auch 40 Jahre nach „Neuromancer“ hat uns William Gibson noch viel zu sagen. In einer Welt im Umbruch zeigt er, dass unsere Zukunft nicht vorherbestimmt ist, sondern von uns allen geformt wird. Selbst der kleinste Akteur, eine Nebenfigur oder der Zufall selbst haben Einfluß auf das große Ganze. Die Resilienz des Menschen gegen die Arroganz einer herrschenden Klasse spielt dabei oft eine zentrale Rolle. Welche Rolle KI dabei spielt, liegt an uns.
Tipps und Tricks
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Ob Cyberpunk Klassiker oder SciFi Trash – es lohnt sich in die (Gedanken)Welten der SF-Autor*innen einzusteigen. Danach kommt einem vieles, was heute an Hypes durch die Welt und das Internet geht, vielleicht ja etwas vertrauter vor.
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Klopfe SF-Literatur nach „Use Cases“ für Dein Tagesgeschäft ab. Wie könnte Dein Unternehmen Nutzen aus diesem Genre der Literatur schöpfen?
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Schau Dir Initiativen wie das „Worldbuilding Projekt“ des Future of Life Institute mal genauer an.
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Wenn Du SF liest, was denkst Du über mögliche positive wie negative Folgen von KI? Wird hier eher überzeichnet?
Top Links
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Replika – KI-Gefährte mit eigener Persönlichkeit (App)
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Studie „Science Fiction as the Blueprint: Informing Policy in the Age of AI and Emerging Tech“ (2024)
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In Wetzlar gibt es die weltweit größte öffentlich zugängliche Sammlung phantastischer Literatur. Ein Besuch lohnt sich!
„Wir haben keine Zukunft, weil unsere Gegenwart zu unbeständig ist. Wir haben nur Risikomanagement. Das Durchspielen der Szenarien des gegebenen Augenblicks. Das Erkennen von Mustern.“ – William Gibson, aus „Pattern Recognition“
Und das war es auch schon wieder für diese Woche. Ich hoffe, es waren ein paar neue Denkanstöße für Dich dabei. Feedback dazu oder Anregungen gerne in die Kommentare. Beim nächsten Mal geht es um den Status Quo und Ausblick bezüglich des Einflusses von (generativer) KI auf Politik und die dadurch in Gang gesetzte, globale Disruption.
Bis bald!